Frank Sander Motorshow

Custom Trend Bagger

Als Bagger bezeichnet man im Allgemeinen die Touring Modelle von Harley Davidson. Die Geschichte der Touring Modelle begann bereits in den 40er Jahren, als Harley Davidson die FL Baureihe vorstellte. Mit einem neuen Rahmen sollten die Touring Bikes die komfortable Fortbewegung über lange Strecken gewährleisten und dem Fahrer ein Höchstmaß an Bequemlichkeit und Komfort bieten. Bereits 1965 wurde die E-Glide Modellreihe vorgestellt und 1969 erschien das erste Model mit der an der Gabel montierten Verkleidung. Die Verkleidung erwies sich ideal für lange Touren als Windschutz und für Zubehör wie Radio und Lautsprecher, die dort integriert wurden. An Customizing dachte zu der Zeit kaum jemand und das Publikum der Tourer Modellreihe legte eher Wert auf verchromte Sturzbühel und gut gepolsterte Sitzbänke. In den folgenden Jahren erweiterte Harley das Zubehörprogramm und entwickelte den Rahmen, das Fahrwerk und natürlich den Motor immer weiter, so dass lange Reisen immer entspannter wurden. Ebenso wurde das Zubehörprogramm um Dinge wie Navigationssysteme, diverse Chromcover so wie spezielle Lacksätze und diverse Anbauteile erweitert, was sich immer größerer Beliebtheit erfreute. Nachdem die ersten Besitzer ihre Bikes mit selbst angefertigter Beleuchtung so wie anderen Auspuffanlagen und diversem Zubehör ausrüsteten, bekamen die Bagger bei den Harley Davidson Ride In Bikeshows eine eigene Kategorie, die sich großer Beliebtheit erfreute. Dies ließ auch den Zubehörmarkt auf dieses Segment aufmerksam werden, was jedoch am Anfang sehr schleppend angenommen wurde Weltbekannte Customizer wie Arlen Ness und Paul Yaffe starteten mit Tankcovern, geänderten Heckfendern, bis hin zu kompletten Heckumbauten mit verlängerten Koffern, um die Touring Modelle zu Customizen.

Wilde Kreationen mit viel Blech und Plastikanbauten waren zur Jahrtausendwende zu sehen und langsam schlief der Trend wieder ein, bis die ersten 23“ Vorderräder am Markt auftauchten. Plötzlich waren auf den Shows Tourer mit 23“ Rädern, verlängerten Koffern und gigantischen Soundanlagen zu bestaunen, der Trend war wiedergeboren. Plötzlich war es „hip“ einen Bagger zu fahren, was vorher dem etwas betagteren Publikum zugeschrieben wurde. In den USA tauchten die ersten Tourer mit breiteren Hinterreifen auf, die Koffer wurden immer länger und es fanden die ersten gereckten Gabeln den Weg in diese Bikes. Als Laura Klock als erste Frau den Speed Record in Bonneville mit einem Touringbike mit 156 mph, was über 250 Km/h entspricht, brach und 2006 das Discovery Channel Biker Build Off mit einem Tourer gewann, war klar, das Touring Bikes nicht nur etwas für die Herren mit Bärten sind.

Nachdem musste etwas großes her und im wahrsten Sinne des Wortes kam etwas großes; das 26“ Vorderrad für Touring Bikes. Es wurden Gabelbrücken gefräst, Rahmenverlängerungen entworfen und plötzlich waren die Custom Tourer gefragt wie nie. Die gesamte Zubehörindustrie stürzte sich auf diese Bikes und ein neuer Industriezweig entstand. Vom Trittbrett über Verkleidungen bis hin zu kompletten Heckumbauten war plötzlich alles zu bekommen. Nun fragte sich der Beobachter ob es sinn macht, ein 26“ Vorderrad zu verbauen, doch im Selbstversuch kam die Erkenntnis, das es sich anständig fährt, wenn der Nachlauf und alle Komponenten gut berechnet und aufeinander abgestimmt sind. Es wurde kurzerhand eine neue Kategorie in die Bikeshows integriert, die sich Custom Touring nennt, um die Bagger mit „normalen“ Modifikationen nicht gegen die Ultra- Custombikes antreten zu lassen. Wenn ein Stein erst einmal ins Rollen gebracht ist, dann ist er selten aufzuhalten und so auch bei diesem Trend.

Nachdem Thunderbike eine TÜV konforme Gabelbrücke entwickelt hat, tauchten immer mehr 26“ Tourer auf. Nun gibt es immer eine Challenge und so zog Rick’s mit einem 30“ Vorderrad nach und um zu beweisen, dass so etwas fährt, fand die erste Testfahrt direkt zur HOG Rally nach Rom statt. Nun spekuliert man schon über die nächste Steigerung, doch sicherlich leidet irgendwann die Gesamtlinie des Bikes und nur um noch etwas mehr zu machen als andere, kann sicherlich nicht der Sinn sein. Auch auf dem Powersektor hat sich einiges getan. Natürlich macht ein CVO Tourer richtig Spaß, doch um auch das nochmals zu toppen, hat Bertls Harley Davidson, den H-D 120 R Motor TÜV konform gemacht und in Verbindung mit einer Jekill and Hyde Auspuffanlage so wie einem Screaming Eagle Luftfilter sind so ca. 130 PS in dem Touringbike möglich. Das es noch etwas ausgefallener geht, zeigt eine Custom Schmiede aus Kuwait. Nedal Ahmin nahm sich als Basis eine Touringbike und baute eine ganz eigene Kreation mit Nabenlosen Rädern vorn und hinten, Airride und verpasste dem Harley Davidson Motor noch einen Kompressor. Lassen wir uns überraschen, was in der Nächsten Zeit auf unseren Straßen rollt und in den Bikeshows zu bestaunen ist.

Text & BIlder by Frank Sander (Sanderblog)

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