Frank Sander Motorshow

Big Wheelers

Am Anfang war das Rad ein Mittel zum Zweck und wurde in Bikes verbaut, um lediglich den Zweck der Fortbewegung zu erfüllen. Schnell erkannte die Industrie, dass Räder auch ein gutes Designelement darstellen und so verbaute Harley die Speichenfelgen in verschiedenen Designs, bis schließlich auch Scheibenräder und Designräder eingeführt wurden. Es wurden in der Regel hinten 3.00“- 3.50“ Räder mit einem Durchmesser von 16“ verwendet und vorn verwendete man bei den Custom- Modellen bis zu 2 Zoll große Räder, was einen coolen Look bei gutem Handling ausmachte und alle waren glücklich. In den 70ern wurden die Hinterreifen etwas breiter, so dass man oft auf Autoreifen zurückgriff, was ein sehr fragwürdiges Handling nach sich zog, doch die Durchmesser blieben gleich. In den 90ern dann wurden die Hinterreifen breiter, bis irgendwann in den 2000ern eine Grenze erreicht war, die nicht nur ziemlich unproportional zum Bike war, sondern wie schon die Autoreifen nur noch ein Designmerkmal waren und mit breiten von bis zu 360mm annähernd unfahrbar waren.

Somit war das Thema Breitreifen ausgereizt und eine neue Idee musste her. Wie schon im Autotuning, wo die Felgen immer größer wurden, startete der Trend bei den Bikes. Am Anfang sah man einige Touring Bikes mit 23“ Rädern, die ohne weitere Modifikationen in der Seriengabel untergebracht werden konnten. Ein neuer Frontfender wurde montiert und das Bike sah cool aus, ohne an Alltagstauglichkeit einzubüßen. Mit dem Trend der Veredlung von den Touring Modellen wurde dann die Idee in den USA geboren, einen 26“ Vorderreifen zu produzieren doch es kam schnell die Einsicht, dass ein 26“ Vorderrad nicht ohne massive Veränderung in ein H-D Touring Bike passt. So wurden die ersten Bagger mir abenteuerlichen Konstruktionen am Rahmen und der Gabel umgebaut, bei denen die Europäischen Zulassungsbehörden einem Herzinfarkt nahe gewesen wären, bis sich professionelle Customizer dem Trend angeschlossen haben. Die ersten Felgen die dann in den USA verbaut wurden, hatten ebenfalls noch keine Zulassung in Europa, aber ein neuer Trend war geboren. Schnell tauchten auch in Europa die ersten Umbauten auf, die entgegen der ersten Meinung ein recht anständiges Fahrverhalten hatten, jedoch noch keine Zugelassen Teile verfügbar waren. Bekannte H-D Dealer wie Thunderbike und Ricks entwickelten in der Zwischenzeit Gabelbrücken, bei denen der Rahmen nicht geändert werden musste, die dank vernünftiger Berechnung des Nachlaufs eine Europäische Zulassung bekamen.

Auch wurden Räder mit großen Durchmessern in Europa produziert, die dann nicht nur in den Touring Bikes verbaut wurden, sondern auch in Softails und sogar Sportster Modellen verbaut wurden. Über den Sinn braucht man nicht zu diskutieren und über Geschmack lässt sich nicht streiten, denn das macht die Vielfalt im Customizing aus. Nun war der Stein, oder besser das Rad ins Rollen gebracht und der Wunsch nach mehr wurde geweckt. So produzierte ein Reifenhersteller ein 30“ Reifen für vorn, der sofort von den Customizern geordert wurde und auch hier war klar, dass man die Dimensionen an den Bikes nochmals drastisch verändern mussten, um sowohl technisch als auch optisch einen Einklang zu finden. In den Vereinigten Arabischen Emiraten tauchte als erstes ein Bike mit einem Nabenlosen 30“ Vorderrad auf und auch in Europa waren schon wenige Wochen nach dem Erscheinen des Reifens die ersten Bikes auf den Bikeshows zu bewundern. Nun sagt ein ganz normales physikalisches Gesetz etwas über Kreiselkräfte aus, die größer werden, je größer das Rad ist und dementsprechend haben diese Bikes ab einer bestimmten Geschwindigkeit einen sehr guten Geradeauslauf, doch bedarf es in den Kurven einem wesentlich höheren Kraftaufwand, diese Bikes in einem sauberen Radius um Kurven zu fahren. Dazu kommt, dass man hinten den normalen Rad- Durchmesser behält und es zwar fahrbar ist, jedoch physikalisch grenzwertig wird. Wie bei jedem Trend, gibt es nach oben kaum Grenzen und so sind schon Bikes unterwegs, die vorn und hinten auf 30“ Rädern fahren und zurzeit sind Custombikes in Vorbereitung, auf denen 32“ Räder montiert werden und es bleibt abzuwarten, wo dieser Trend endet. Es sind sicherlich wieder einige Entgleisungen in Sachen Design, aber auch spannende neue Ideen zu erwarten, wenn es darum geht, einfach mehr zu machen als andere und ob diese Bikes dann wirklich vernünftig zu bewegen sind, wird sich zeigen, wenn sie auf eigener Achse zu den Bikeshows gebracht werden müssen.

Text & BIlder by Frank Sander (Sanderblog)    

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